Power Flower

„Die Power Flower lädt ein zum Austausch und zum Bewusstmachen über unterschiedliche Zugänge und Positionierungen in der Gesellschaft. Vor allem möchte die Machtblume den Blick für eigene Möglichkeiten und Ressourcen schärfen und damit einen empathischen und verantwortungsbewussten Umgang verdeutlichen. Um Scham- und Schuldgefühle geht es hierbei nicht, sondern um das Potenzial eigener Handlungsstrategien zum Handeln gegen Diskriminierung. Macht wird hier positiv verstanden, um aktiv Machtasymmetrien entgegen zu wirken.“

Ziele

  • „Sensibilisierung und Reflexion eigener gesellschaftlicher Positionierung
  • Erkennen gesellschaftlicher Schieflagen, Machtverhältnisse und die Wirkmächtigkeit gesellschaftlicher Normvorstellungen
  • Erkennen der eigenen Vielschichtigkeit von Identität
  • Bewusster und verantwortungsvoller Umgang mit der eigenen Machtposition und der daraus sich ergebenden Zugänge für Strategien“

Anleitung

„Die Teilnehmenden bekommen das Arbeitsblatt Power Flower. Die Power Flower besteht aus mehreren Schichten. Im Inneren der Blume sind verschiedene gesellschaftliche Kategorien dargestellt. Es gibt auch unbeschriftete Felder, diese können individuell ausgefüllt werden, mit Merkmalen, die der Person wichtig sind, aber nicht mit aufgeführt sind. Weiter besteht die Power Flower aus inneren und äußeren Blütenblättern, die inneren Blätter stehen für Privilegierung, betreffen das jeweilige Merkmal und die äußeren für Benachteiligung. Die Teilnehmenden haben ca. 10 Minuten Zeit, ihre persönliche Machtblume, je nach Kategorie und Zugehörigkeit, auszumalen. Welche Zugehörigkeiten und welches Blütenblatt (außen, innen) ausgefüllt werden, bleibt den Teilnehmenden und ihrer Selbsteinschätzung überlassen. Die Einzelarbeit geht über in eine Kleingruppenphase von ca. 3-4 Personen, je nach Gruppegröße. Die Leitung teilt nicht in Gruppen ein, diese finden sich von selbst, denn es braucht eine Vertrauensbasis, um über die eigene Machtblume miteinander ins Gespräch zu kommen. Ebenso ist der Hinweis wichtig, dass die eigene Blume bei der jeweiligen Person verbleibt und auch nicht öffentlich gemacht werden muss. Für die KG Arbeit ist es wichtig, sich wertschätzend zuzuhören und nicht die Kategorien von ‚wer hat sich falsch oder richtig eingetragen?‘ anzulegen. Für die Kleingruppenarbeit gibt es 30 Minuten, in dieser Zeit sollten alle in der KG die Möglichkeit haben, sich zu äußern. Wie die Gruppe ihre Vorstellung der Blumen organisiert, bleibt auch der KG überlassen, also ob sie sich jeweils von Merkmal zu Merkmal austauschen oder eine Person nach der anderen ihre Power Flower vorstellt.“

Hinweis

„Bei den Begriffen verwenden wir Zuschreibungen, die in unserer Gesellschaft üblich sind. Bei manchen fühlt es sich ungewohnt an, sich selber einzusortieren. Doch wie ist es, sortieren wir nicht häufig andere Menschen ein? Es kann z.B. irritieren, sich selber zu einer ‚ethnischen Gruppe‘ zuordnen zu sollen. Aber wie ist es denn im Alltag? Tun wir das nicht oft mit anderen Menschen? Irritationen aus der Arbeit mit der Machtblume bringen eine Grundlage für weitere Reflexionen. Generell ist das Thema ‚Begriffe‘ ein wichtiges Thema: welche verwenden wir im Alltag und drücken sie das aus, was wir meinen?“

Auswertung

„Hier einige Fragen als Anregung zur Reflexion der Erfahrungen im Plenum. Wichtig ist, die Fragen der Situation anzupassen, sie entstehen im Prozess und verlangen eine große Aufmerksamkeit der Leitung. Die Fragen sind abhängig davon, was Sie in diesem Moment des Seminars in dieser Gruppe herausarbeiten möchten.

  • Wie haben Sie die Übung erlebt (Einzelarbeit)?
  • Welche Zuordnung ist Ihnen schwer/leicht gefallen?
  • Wie war der Austausch in den Kleingruppen?
  • Entspricht dieses Verhältnis Ihrem Gefühl in der Gesellschaft?
  • Bewegen Sie sich in jedem Kontext in der gleichen Kategorie?
  • Bedeuten uns die Zugehörigkeiten gleich viel, sind sie uns bewusst? Haben sie in der Gesellschaft das gleiche Gewicht?

Manche Formen von Diskriminierung haben eine lange Geschichte mit extremer Gewalt (z.B.: Rassismus – Kolonialismus-Sklaverei – heutiges Nord-Süd-Verhältnis). Die historische Dimension verfestigt diese Unterdrückungsformen so weit, dass sie teilweise kaum mehr als solche wahrgenommen werden.

  • Ist die Zugehörigkeit zu den Kategorien in den Blütenblättern meine freiwillige Entscheidung oder wurde sie von ‚außen‘ bestimmt?
  • Ist die Zugehörigkeit zu den Blütenblättern veränderbar?
  • Können privilegierte/nicht-privilegierte Zugehörigkeiten andere Zugehörigkeiten nach sich ziehen?
  • Wie geht es uns mit unserer Macht bzw. Ohnmacht und was machen wir jetzt damit?“

Quelle:

Alle in dieser Methode aufgeführten Zitate wurden aus einer Arbeitsmaterial-Broschüre der Diakonie Baden-Württemberg übernommen (siehe Quellenangabe).

  • Vielfaltsmerkmale

    „Erläuterung zum Begriff ‚Hautfarbe/Rassifizierung‘: es geht nicht um die tatsächliche Farbe der Haut, sondern um gesellschaftlich gemachte Normen von Gruppenzugehörigkeiten. Der Begriff ‚Rassisifizierung‘ (racialised group) meint diesen Prozess. Dies trifft auch auf andere Kategorien zu, wie zum Beispiel ‚Gesundheitliche Beeinträchtigung‘. Es geht um scheinbar ‚Normale‘ und ‚um zum Anderen gemachte‘. Der Begriff ‚race‘ auf englisch meint das Konstrukt: ‚Race does not exist. But it does kill people‘ (Collette Guillaumin). (Weiterlesen bei Stuart Hall, Paul Mechiril, beim Themenfeld ‚Othering‘ oder in: Eggers, Maureen M.; Kilomba, Grada; Piesche, Peggy (Hrsg.): Mythen, Masken und Subjekte. Kritische Weißseinsforschung in Deutschland. Münster 2006“
  • Anwendende

    „Diese Übung benötigt einen vertrauensvollen Rahmen und sollte gut platziert sein vom Ablauf her. Sie ist nicht geeignet als Einstiegsübung. Wichtig ist, alle Teilnehmenden darauf hinzuweisen, dass sie bei sich bleiben sollen und nicht andere in der Übung bewerten, sowie auf Vertraulichkeit. Hierzu sollte bereits eine entsprechende Kultur des Miteinanderumgehens entwickelt sein. Die Übung ist nicht geeignet für Teilnehmende, die in vielen Aspekten benachteiligt sind, da Menschen meist über ihre Benachteiligungen gut Bescheid wissen. Sie ist besser geeignet für Teilnehmende, die privilegierten Gruppen angehören, da einem dies nicht immer bewusst ist.“
  • Gruppengröße

    6 - 24 Personen: Die Gruppe sollte groß genug sein, damit sich die Teilnehmenden in mindestens 2 Kleingruppen über ihre Machtblumen austauschen können. Jede Kleingruppe besteht aus 3 bis 4 Teilnehmenden.
  • Material

    • Kopien des Arbeitsblattes „Power Flower“ (eine mögliche Vorlage findet sich auf Seite 25 der Arbeitsbroschüre)
    • Stifte zum Ausmalen der Machtblumen

    Hinweis

    „Bitte kopieren Sie nicht direkt diese Vorlage sondern passen Sie die Power Flower ihrer jeweiligen Gruppe an. Bitte entscheiden Sie für ihre jeweilige Gruppe, welche Kategorien passend sind und der Gruppe gute Anregungen zur Reflexion bieten. Viel hängt davon ab, wo die Gruppe im Prozess ist, was davor und was danach kommt. Wir selber verwenden auch immer unterschiedliche Varianten und die in der Power Flower verwendeten Begriffe sind ihrerseits Teil des Reflexionsprozesses.“

  • Dieses Angebot bezieht sich auf die Inklusion von Menschen mit folgenden Behinderungsformen

    • Körperliche Behinderung
    • Lernbehinderung / -schwierigkeiten
    • Psychische (seelische) Behinderung
    • Sinnesbehinderung
      • Hörbehinderung
      • Sehbehinderung
    • Sprachbehinderung

    Weitere Informationen

    Bitte beachten: Je nach Behinderungsform kann eine persönliche oder technische Assistenz/Pflege erforderlich sein.

Personalbedarf

Anzahl: 1 Person

Zeitaufwand

Vorbereitung: 0,5 Stunde(n)

Durchführung: 0,5 Stunde(n)

Nachbereitung: 0,5 Stunde(n)

„Je nach Zielgruppe und Auswertung 60 bis 90 Minuten“

Kostenaufwand

Kosten
5 Euro

Weitere Informationen

Es können Kosten für die Stifte und das Ausdrucken der Machtblumen anfallen.

Dokumente und Medien

Weitere Informationen

Ehrenamtsbörse „Itimi“
Sie haben selbst eine Behinderung und möchten sich ehrenamtlich engagieren?
Sie haben Angebote, bei welchen sich Menschen mit Behinderungen ehrenamtlich einbringen können?
Dann informieren Sie sich gerne bei der Ehrenamtsbörse Itimi über Ihre Möglichkeiten!

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Quellen

  • Diakonisches Werk der evangelischen Kirche in Württemberg e.V. (Hrsg.) (2015) „Woher komme ich? Reflexive und methodische Anregungen für eine rassismuskritische Bildungsarbeit“. Stuttgart. S. 23 – 25
    Online unter www.diakonie-wuerttemberg.de/…, Stand: 19.11.2021