Dezentralisierung/Regionalisierung

Es handelt sich dabei um Reformprozesse der Behindertenhilfe, die darauf zielen, „zentrale überregionale Einrichtungen [und spezialisierte Angebote] für Menschen mit Behinderung in Richtung gemeinwesenintegrierter und regional organisierter Dienste zu verändern“ (Bradl/Küppers-Stumpe 2009, S. 57).

Mit den Begriffen Dezentralisierung/Regionalisierung ist der Zustand gemeint, dass Menschen mit Behinderung in ihrer vertrauten Lebensumwelt wohnen, am sozialen Leben teilhaben und die regulären Infrastrukturangebote nutzen können. Somit ist die Dezentralisierung/Regionalisierung eng mit dem Begriff der Deinstitutionalisierung/ Normalisierung verbunden. Beide Prozesse fokussieren den Abbau und die Auflösung von Spezialeinrichtungen und spezialisierten Angeboten, die überregional organisiert werden, zentrale Versorgungssysteme aufweisen und außerhalb des Sozialraums der Betroffenen liegen. Als Prinzip der Lebensweltorientierung meint Regionalisierung/Dezentralisierung, dass Unterstützungsangebote lokal und regional verortet und damit im Lebensalltag präsent und leicht in Anspruch zu nehmen sind. Demzufolge werden sozialraum- bzw. bezirksbezogene Angebotsstrukturen wie ambulante Wohnhilfen, betreute Wohnformen und Assistenzangebote ausgebaut, um ein gemeindeintegriertes Wohnen zu ermöglichen. Solche dezentral organisierten Hilfeangebote tragen nicht nur zur besseren Erreichbarkeit für die AdressatInnen bei, sondern vor allem zur Selbstversorgung und damit Selbstständigkeit der Menschen mit Behinderung.

Neben der räumlichen Verlagerung von Wohnformen in die Gemeinde und der Schaffung ambulanter Angebote müssen soziale Netzwerke und Kontakte im Gemeinwesen aufgebaut werden, damit Menschen mit Behinderung nicht nur örtlich eingegliedert sind, sondern am sozialen Leben und kulturellen Miteinander teilhaben (Teilhabe, Partizipation). Davon ausgehend wurde vor allem in Großbritannien das Konzept ‚Community Care‘ entwickelt, mit dem Ziel der umfassenden Inklusion und gesellschaftlichen Zugehörigkeit behinderter und anderweitig sozial benachteiligter Menschen.

Quellen: 
Bradl, Christian/Küppers-Stumpe, Angelika (2009): Gemeinwesenintegration und Vernetzung. In: Schwalb, Helmut /Theunissen, Georg (Hrsg.): Inklusion, Partizipation und Empowerment in der Behindertenarbeit. Best-Practice-Beispiele: Wohnen – Leben – Arbeit – Freizeit. Stuttgart: Kohlhammer Verlag, S. 57-75.
Theunissen, Georg (2009): Empowerment und Inklusion behinderter Menschen. Eine Einführung in Heilpädagogik und Soziale Arbeit. 2., aktualisierte Auflage. Freiburg im Breisgau: Lambertus Verlag.