Inklusion

Der Begriff der „Inklusion“ beschreibt eine soziale Forderung, welche durch die vollständige gesellschaftliche Teilhabe und Akzeptanz von Menschen und deren Individualität verwirklicht wird. Die Unterschiede und Verschiedenartigkeit von Menschen werden bei der „Inklusion“ zwar wahrgenommen, jedoch sind diese gewollt und erwünscht, da sie eine Heterogenität der Gesamtgesellschaft darstellen. Einschränkungen oder Ausgrenzungen an der öffentlichen Teilhabe z.B. für Menschen mit Behinderung erfolgen in einer inklusiven Gesellschaft nicht.

Inklusion leitet sich von dem lateinischen Begriff „inclusio“ ab und bedeutet „Dazugehörigkeit“ oder „Einschließung“. Die soziologische und pädagogische Definition des genannten Terminus stellt sowohl eine gleichberechtigte Teilhabe an allen Bereichen in der Gesellschaft als auch die gemeinsame Erziehung behinderter und nicht-behinderter Kinder in Kindergärten und Regelschulen dar. Dabei werden die individuellen Unterschiede der Menschen als Normalität betrachtet und es wird keine Unterteilung in verschiedene gesellschaftliche Gruppen (Menschen mit Behinderung, Menschen mit Migrationshintergrund etc.) vorgenommen.

Mit der Zustimmung der UN-Behindertenkonvention im März 2009 ist die Inklusion von Menschen mit Behinderungen geltendes Recht innerhalb der Bundesrepublik Deutschland und verpflichtet somit Bund, Länder und Kommunen gleichermaßen, die dargestellte Konvention und die damit verbundene Aufgaben von Inklusion umzusetzen. Die Kernaussage der Konvention ist dabei der Schutz vor Diskriminierungen und Ausgrenzungen durch die Gewährleistung und Verwirklichung der unveräußerlichen Menschenrechte. Die Umsetzung der UN-Konvention betrifft alle gesellschaftlichen (Teil-) Bereiche, wie z. B. frühkindliche Erziehung, Schule, Wohnen, Freizeit, Arbeit, Politik usw.

„Es geht nicht darum, Menschen mit Behinderung „fit“ für ein Leben in der Gesellschaft zu machen, sondern die Gesellschaft „fit“ für die Aufnahme von Menschen mit Behinderung zu machen. Nicht die Menschen mit Behinderung sollen sich an die Strukturen der Gesellschaft anpassen, sondern die Gesellschaft an die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung ( Meyer 2012, S. 244).“

In diesem Zusammenhang bedeutet die Inklusion von Menschen mit Behinderung eine ganzheitliche Barrierefreiheit innerhalb der Gesellschaft zu schaffen. Nicht nur im baulichen und gebäudetechnischen, sondern auch im organisatorischen, strukturellen und menschlichen Verständnis. Es genügt dabei nicht, den Menschen mit Behinderung eine Wohnung innerhalb des entsprechenden Stadtteils mit behindertengerechter Einrichtung zu ermöglichen. Er muss eine aktive Teilhabe an allen gesellschaftlichen Angeboten und Dienstleistungen innerhalb einer Gesellschaft erfahren. Neben den bisher aufgezeigten Hindernissen müssen auch die gedanklichen Barrieren, die sich häufig als Vorurteil oder Mitleid darstellen, aus den Köpfen der Mehrheitsgesellschaft weichen. Inklusion für Menschen mit Behinderung bedeutet damit mehr, als eine strukturelle und organisatorische Veränderung, nämlich Wertschätzung, Annahme und vollkommen uneingeschränkte Teilhabe innerhalb der Gesellschaft.

Demzufolge ist die Inklusion von Menschen mit Behinderung eine Aufgabe der Gesamt-gesellschaft, bei der sämtliche Prozesse der Ausgrenzung und Diskriminierung von Anfang an zu vermeiden sind.  Durch gemeinsames Leben, Arbeiten, Spielen etc. haben alle Mitglieder der Gesellschaft die Möglichkeit, sich an die unterschiedlichen Personengruppen zu gewöhnen. Somit kann eine Ausgrenzung Einzelner von vorne herein ausgeschlossen werden.

Quellen: 
Aichele, Valentin (2013): Behindertenrechtskonvention und ihr Fakultativprotokoll. Online im Internet: http://www.institut-fuer-menschenrechte .de/uploads/tx_commerce/ policy_paper_9_die_un_behindertenrechtskonvention_und_ihr_ fakultativprotokoll.pdf. Zugriff: 2013-02-19.
Deutsches Institut für Menschenrechte e.V. (2013): Inklusion als Menschenrecht. Online im Internet: www.inklusion-als-menschenrecht.de. Zugriff: 2013-02-19.
Meyer, Thomas (2012): Wer nicht ausgegrenzt wird, muss auch nicht integriert werden. Inklusion als sozialpolitische und pädagogische Herausforderung im Umgang mit benachteiligten Jugendlichen. In: Peter Martin, Thomas/Calmbach, Marc (Hrsg.): Jugendliche Lebenswelten. Perspektiven für Politik, Pädagogik und Gesellschaft. Wiesbaden: Springer Spektrum Verlag.
Wertfein, Monika/Lehmann, Jutta (2012): Familienhandbuch. Online im Internet: www.familienhandbuch.de.https://www.familienhandbuch.de/behinderung/behinderte-kinder/von-der-integration-zur-inklusion-%E2%80%93-eine-neue-aufgabe-fur-die-fruhpadagogische-praxis. Zugriff: 2013-02-19.