Persönliche Zukunftsplanung

Menschen mit Behinderungen möchten genauso selbstbestimmt leben wie andere Menschen auch. Die persönliche Zukunftsplanung hilft dabei, damit Menschen mit Behinderungen so leben können, wie sie möchten. Dabei geht es meist um die Frage, wie dieser Mensch leben will, wie der Mensch arbeiten will und wie er seine Freizeit verbringen will. Dazu brauchen manche Menschen Unterstützung. Die Unterstützung wird gemeinsam mit anderen Menschen geplant. Das kann die Familie sein, oder Freundinnen und Freunde aber auch Nachbarinnen und Nachbarn. Auch Fachleute sind dabei. Das erste Treffen heißt Zukunftsfest oder Planungstreffen. In diesem Treffen schauen alle, was der Mensch für Wünsche und Träume hat und wie er leben will. Man schaut auch, was er kann und braucht und wie man ihn dabei unterstützen kann, seinen Lebensplan zu erfüllen. Das wird gemeinsam aufgeschrieben und überlegt, wie die ersten Schritte aussehen, damit man diesen Plan umsetzen kann. Ziel ist, dass der Mensch sein Leben und seine Zukunft mit Unterstützung von anderen Menschen selbst bestimmen kann. Die persönliche Zukunftsplanung dauert lange und man braucht Geduld.  

Bei der Persönlichen Zukunftsplanung handelt es sich um ein Konzept, bei dem in Zusammenarbeit mit verschiedenen Personen die Zukunft eines Menschen mit Behinderung geplant bzw. darüber nachgedacht wird. Im Mittelpunkt steht der einzelne Mensch und die Frage, wie dieser leben möchte und welche Unterstützung er zur Verwirklichung seiner Lebensentwürfe benötigt.

Persönliche Zukunftsplanung unterscheidet sich insofern von der Teilhabeplanung der Eingliederungshilfe nach §19 SGB IX oder der Unterstützungsplanung in den Einrichtungen, als die planende Person freiwillig und zu dem für sie passenden Zeitpunkt in den Planungsprozess eintritt. Grundlage der Persönlichen Zukunftsplanung bilden die Wünsche und Träume der planenden Person. Sie baut auf die Stärken und Fähigkeiten, die jeder Mensch mit sich bringt und fragt danach, wie die Person diese bestmöglich nutzen kann. Im Mittelpunkt steht somit die Frage, wie die planende Person leben möchte und welche Unterstützung zur Verwirklichung dieses Lebens-Plans benötigt wird. Es geht nicht darum, das Leben eines Menschen perfekt zu machen. Vielmehr ist die Erhöhung individueller Lebensqualität das Ziel.

Persönliche Zukunftsplanung ist somit gleichzeitig Haltung und Methode zur Reflexion der eigenen Lebenssituation und Veränderung dieser. Sie basiert auf der Vision einer inklusiven Gesellschaft. Das heißt: Jeder Mensch wird – unabhängig von seiner kulturellen Herkunft, Biografie oder Behinderung – mit seinen Fähigkeiten und Ideen willkommen geheißen und wertgeschätzt.

Häufig sind es enge Familienangehörige oder andere Bezugspersonen, die den Prozess einer Persönlichen Zukunftsplanung anstoßen. Aber auch von Fachpersonen kann die Initiative ausgehen. Persönliche Zukunftsplanungen werden im deutschsprachigen Raum seit den 1990er Jahren durchgeführt und haben sich bei Unzufriedenheit mit der eigenen Lebenssituation oder in anstehenden Übergangsphasen bewährt, z. B. beim Übergang vom Kindergarten in die Schule, von der Schule in die Ausbildung oder beim Auszug aus dem elterlichen Zuhause, beim Berufswechsel, beim Umzug in eine andere Stadt, etc.

Zu Beginn steht der Kontakt zu einer Moderations-Person, die sich gut mit Persönlicher Zukunftsplanung auskennt. Sie wählt die passende Methode aus dem Methoden-Pool aus und unterstützt die Vorbereitungen für ein erstes Treffen des Unterstützungs-Kreises. Dieses Zukunftsfest oder Planungs-Treffen wird von zwei Personen moderiert: eine Person leitet das Gespräch, eine andere Person protokolliert das Gespräch und hält es grafisch auf Plakaten fest.

Zum Zukunftsfest oder Planungs-Treffen werden alle Menschen eingeladen, die der planenden Person wichtig sind. Es wird über die Stärken der Person und ihre Träume gesprochen. Die Moderation hilft dem Unterstützungs-Kreis, genau hinzuschauen, hinzuhören und miteinander ins Gespräch zu kommen. Auf den Plakaten werden unterschiedliche Blickwinkel, Ideen und Aufgaben in Wort und Bild festgehalten. Ziel dieses Treffens ist es, die Träume der planenden Person zu erkunden, herauszufinden, was ihr wichtig ist und gute Orte zu finden, an denen die Träume und Wünsche (ein Stück weit) realisiert werden können. Dazu ist es hilfreich, Möglichkeiten und Ressourcen im Sozialraum der planenden Person zu erschließen bzw. einzubeziehen. Je nach Fragestellung werden Orte gesucht, die die planende Person interessieren und die zu ihr passen: Geht es beispielweise um die Berufswahl, werden Praktikumsstellen oder auch potenzielle Arbeitsorte erkundet. Geht es um Hobbies und Freizeit, werden z. B. nach Möglichkeiten in örtlichen Vereinen, wie z. B. bei der Feuerwehr oder im Sport, bei Musik- und Kulturangeboten oder dergleichen gesucht. Wichtig ist, dass sich die planende Person dort mit ihren Stärken einbringen kann und will.

Unter Anleitung der Moderation sammeln die planende Person und ihre Unterstützer*innen Ideen, formulieren realisierbare Ziele und planen konkrete Schritte, wie die Wünsche und Träume realisiert werden können. Am Ende eines Zukunftsfests oder Planungs-Treffens steht ein Aktionsplan, in dem festgehalten ist, welche Aufgaben in den nächsten Schritten anstehen und wer sie übernimmt. Es wird auch vereinbart, wie die Unterstützer*innen in Kontakt bleiben und wer die planende Person dabei unterstützt, die weitere Zusammenarbeit des Unterstützungs-Kreises zu organisieren. Anschließend macht sich die planende Person gemeinsam mit den Unterstützer*innen aus Familie, Freundeskreis und Fachkräften auf den Weg, ihr Leben Schritt für Schritt in die gewünschte Richtung zu verändern.

Veränderung braucht oft einen langen Atem und Menschen, die mit der planenden Person an der Umsetzung dauerhaft aktiv sind. Es hat sich bewährt, gemeinsam auftretende Hindernisse zu überwinden sowie Erfolge und Erreichtes gemeinsam zu feiern.

04.03.2025

 

Weitere Informationen finden Sie unter: https://www.persoenliche-zukunftsplanung.eu/index.php?lang=de


Literatur

  • Boban, Ines/Hinz, Andreas (2021): „Cool down!“ – Zukunftsfeste als sanft beschwingende Zukunftsplanung: Partizipative Partnerschaftlichkeit und kollektives Mächtigsein. In: KIDS – aktuell, 43, S. 1–7.
  • Doose, Stefan (2020): „I want my dream!“ – Persönliche Zukunftsplanung weitergedacht. Neue Perspektiven und Methoden einer personenorientierten Planung mit Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen. Neu-Ulm: AG SPAK Bücher.
  • Doose, Stefan/Emrich, Carolin/Göbel, Susanne (2014): Käpt’n Life und seine Crew. Ein Planungsbuch zur Persönlichen Zukunftsplanung. Zeichnungen von Tanay Oral. Mensch zuerst – Netzwerk People First Deutschland e.V. (Hrsg.). 5. Aufl. Neu-Ulm: AG SPAK Bücher.
  • Emrich, Carolin/Kemme, Martina (2021): „Netzwerk People First Deutschland“. In: Teilhabe, H. 3, S. 116–121.
  • Hinz, Andreas/Kruschel, Robert (2013): Bürgerzentrierte Planungsprozesse in Unterstützerkreisen. Praxishandbuch Zukunftsfeste. Düsseldorf: verlag selbstbestimmtes leben (bvkm e.V.).