Normalisierung

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Das Normalisierungsprinzip drückt aus, dass Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit haben sollen, ein weitgehend normales Leben zu führen. Des weiteren sollte diese Personengruppe als vollständiges Teil der Gesellschaft anerkennt werden mit uneingeschränkten Rechten auf eine normale Lebensführung. Konkret bedeutet dies, dass Menschen mit Behinderung ihren normalen Alltag leben können, einen normalen Lebensstandart haben, die Möglichkeit haben, normale altersgemäße Entwicklungsphasen zu durchlaufen sowie jede Form von Beziehungen einzugehen. Die Wünsche, Bedürfnisse und Entscheidungen von Menschen mit Behinderung müssen beachtet und respektiert werden. Ziel dieses Prinzips ist somit die Inklusion von Menschen mit Behinderungen in die Schul- und Arbeitswelt als auch eine Gestaltung der Bereiche Kultur, Sport, Religiosität, Freizeit und Sexualität nach ihren Vorstellungen.

Die Anfänge des Normalisierungsprinzips können in Dänemark und Schweden bereits in die 40er Jahre des letzten Jahrhunderts datiert werden. Es gelangte daraufhin in den 1960er in die USA und Kanada sowie etwa zwanzig Jahre später nach Deutschland.

Nennenswerte Verfasser des Normalisierungsprinzips sind unter anderem der Däne Nils Erik Bank-Mikkelsen, der Schwede Bengt Nirje sowie der deutsch Amerikaner Wolf Wolfensberger. In Deutschland kann Walter Thimm als Normalisierungsexperte im deutschsprachigen Raum genannt werden.

Die Basis, welche das Normalisierungsprinzip als Reformansatz legitimiert, bilden die demokratischen Grundwerte der Gleichheit, der Menschenrechte und der menschlichen Würde. So beschreibt Bank-Mikkelsen das Normalisierungsprinzip folgendermaßen: "Der geistig behinderte Mensch ist an erster Stelle ein Mitmensch, und daher muss er vom Standpunkt der Gleichberechtigung die gleichen Rechte wie sein Mitbürger haben.“

Aus diesem Grunde sollten im Zuge der Normalisierung folgende verschiedene Ziele für Menschen mit Behinderung verfolgt werden:

  • Ein Weitgehend normales Leben z.B. normaler Tages-, Jahres- und Lebensablauf
  • Die Integration in die Gesellschaft z.B. die die Möglichkeit einer Arbeit
  • Die Verbesserung der Lebensqualität durch Verbesserung der Wohnverhältnisse
  • Die Akzeptanz der Menschen mit Behinderung als vollwertige Mitbürger
  • Die Respektierung der Bedürfnisse durch Mitspracherecht der Betroffenen
  • Die Gleichberechtigung durch gesetzliche Rahmenbedingungen
  • Das Aufwerten der sozialen Rolle der Person

Während der Normalisierungsgedanke in den Skandinavischen Ländern sowie der USA und Kanada seit den 60er Jahren weitgehend vertreten ist, nahm dieses Prinzip etwa 20 Jahre später Einfluss auf das deutsche Behindertenwesen und wird zum Leitgedanken der Heil- und Sonderpädagogik. Somit steht auch in Deutschland mit dem Prinzip der Normalisierung die Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen mit Behinderung im Vordergrund. Jedoch kann diese Entwicklung noch nicht als flächendeckend bezeichnet werden. So muss kritisch angebracht werden, dass es beispielsweise noch zu viele Großwohnheime für Menschen mit Behinderungen gibt, bei denen keinerlei individuelle Gestaltungsmöglichkeiten zu realisieren sind. Des Weiteren wird in vielen Einrichtungen ein „normaler Lebensablauf“ nicht gewährleistet, da sämtliche Abläufe im Leben eines Menschen mit Behinderung nicht auf dessen Alter abgestimmt sind sondern auch Erwachsene bis ins hohe Alter wie Kindern behandelt werden. Auch werden Kontakte zwischen den Geschlechtern nicht gefördert sondern Männer und Frauen mit Behinderungen werden noch heute in verschiedenen Häusern oder Stationen untergebracht.

Quellen: 
Gutenberger, Jasmin (2010): Selbstbestimmung bei Menschen mit geistiger Behinderung? Studie zur Theorie und Praxis der Selbstbestimmung von Menschen mit geistiger Behinderung im Wohnheim. Hamburg: Diplomica Verlag GmbH.
Brachmann, Andreas (2011): Re-Institutionaliserung statt De-Institutionalisierung in der Behindertenhilfe. 1. Auflage. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
Ommerle, Monika (1999): Normalisierungsprinzip und Parteilichkeit als Leitideen in der Behindertenarbeit. Begleitung und Unterstützung körperbehinderter Menschen am Beispiel der Caritas Tagesstätte für schwerst körperbehinderte Erwachsene. Online im Internet: http://bidok.uibk.ac.at/library/ommerle-normalisierung.html. Zugriff: 2013-10-30.
Schickedanz, Patrick (2008): Das Normalisierungsprinzip und seine konzeptuelle Weiterentwicklung durch Wolfensberger und Thimm. 1. Auflage. München: GRIN Verlag.