Förderprogramm Inklusion

Förderprogramm

Inklusion von Menschen mit Behinderung in der Kinder- und Jugendarbeit sowie der Jugendsozialarbeit

Ausschreibung von Modellprojekten und Qualifizierungsangeboten
Ein Förderprogramm des Ministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren Baden-Württemberg im Rahmen des Zukunftsplan Jugend Baden-Württemberg

  1. Allgemeine Überlegungen
  2. Zweck und Ausgestaltung des Förderprogramms
  3. Antragsberechtigte
  4. Teilnehmer_innen
  5. Form, Umfang und Dauer der Förderung
  6. Verfahren
  7. Weitere Fördervoraussetzungen
  8. Informationen

 

  1. Allgemeine Überlegungen:

Die gesellschaftliche Debatte um Inklusion und deren Verwirklichung in allen Lebensbereichen hat, seit Deutschland im Jahr 2009 die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) unterzeichnete, zunehmend an Bedeutung gewonnen und ist auch im Koalitionsvertrag der Landesregierung als vorrangiges Ziel definiert.

Zentrale Begriffe der UN-BRK sind „gleichberechtigte Teilhabe“ und   „Selbstbestimmung“. Diese beziehen sich auf sämtliche Lebensbereiche: Wohnen, Bildung, Arbeit, Freizeit und Barrierefreiheit. Der Begriff der Behinderung weicht dabei vom gängigen, bislang in Deutschland verwendeten, vor allem medizinisch geprägten Begriff ab. „Zu den Menschen mit Behinderungen zählen Menschen, die langfristige körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, welche sie in Wechselwirkung mit verschiedenen Barrieren an der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft hindern können“ (Artikel 1, Satz 2 der UN-BRK). Wegen der thematischen Ausrichtung des vorliegenden Förderprogramms konzentrieren sich die folgenden Aussagen auf Kinder und Jugendliche bzw. die (Sozial-) Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mit Behinderung.

Inklusion steht dabei für einen gesellschaftlichen Zustand, in dem die gleichberechtigte, gleichwertige und selbstbestimmte Teilhabe von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung in allen Lebensbereichen gewährleistet ist und als Normalität gelebt wird. Es werden alle Formen der Behinderung (psychische Behinderung, körperliche Behinderung, geistige Behinderung, Sinnesbehinderung und weitere) berücksichtigt.

Die Landesregierung und die Partner der Kinder- und Jugendarbeit (KJA) und der Jugendsozialarbeit (JSA) haben am 12. März 2013 gemeinsam die Vereinbarung „Zukunftsplan Jugend“ (ZPJ) unterzeichnet. Der ZPJ beschreibt das Arbeitsprogramm für eine nachhaltige Kinder- und Jugendpolitik. Der in der UN-BRK verankerte Grundsatz der Inklusion wurde hierbei berücksichtigt. So formuliert der ZPJ eindeutig: Ziel ist eine inklusive Kinder- und Jugendarbeit (KJA) und Jugendsozialarbeit(JSA)! Dies ist folgerichtig, denn eine inklusive Gesellschaft lässt sich nur unter Beteiligung aller gesellschaftlichen Gruppen und Menschen jeden Alters umsetzen.

Darüber hinaus ist die KJA/JSA nicht nur ebenso gefordert wie das Schulsystem, zumal auch sie einen gesetzlichen Bildungsauftrag hat, sondern wegen ihrer Prinzipien (Freiwilligkeit, Offenheit, Partizipation, …) und Methoden in besonderer Weise prädestiniert, inkludierende Angebote und Prozesse erfolgreich zu gestalten. Der notwendige zentrale Perspektivwechsel aller Akteure liegt darin, Kinder und Jugendliche mit ihrer individuellen Persönlichkeit, ihren Stärken und Potentialen und nicht mit ihren vermeintlichen Schwächen wahrzunehmen.

Die KJA/JSA hat dann große Potenziale, wenn die Suche nach gemeinsamen Interessen und Anliegen im Vordergrund bleibt und lebenswelt- und ressourcenorientiert gearbeitet werden kann. Sie hat aber auch einen hohen Unterstützungsbedarf, da sie vor großen strukturellen Hürden steht. Die Inklusion junger Menschen mit Behinderung erfordert neben der Haltungsänderung und dem Abbau von Ängsten oft einen hohen materiellen und personellen Mehrbedarf, der insbesondere in der vorwiegend ehrenamtlich getragenen Jugendverbandsarbeit und der kommunalen offenen Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit oft nur sehr eingeschränkt vorhanden ist.

 

  1. Zweck und Ausgestaltung des Förderprogramms:

Ein Programm zur Förderung von Kleinprojekten zur Öffnung der Kinder- und Jugendarbeit/Jugendsozialarbeit für Menschen mit Behinderung kann wichtige und dringend notwendige Impulse geben, um Träger zu aktivieren und die Praxis auf struktureller, kultureller und operativer Ebene ganzheitlich zu stärken. Ziel des Förderprogramms des Landes Baden Württemberg „Inklusion von Menschen mit Behinderung in die Kinder- und Jugendarbeit sowie der Jugendsozialarbeit“ ist es deshalb, bedarfsorientierte Modellprojekte und Qualifizierungsangebote zu fördern, mit denen Chancen und Grenzen des Feldes KJA/JSA für Inklusion praktisch erprobt werden. Fortbildungen und Sensibilisierungsangebotes sollen zudem Haupt- und ehrenamtliche Akteure der KJA/JSA dabei unterstützen, Ängste und Hemmschwellen abzubauen sowie physische und psychische Barrieren zu erkennen und zu überwinden. Neue Kooperationen mit Trägern der Behindertenhilfe und Sozialpsychiatrie, neue Formen der Elternarbeit und die Auseinandersetzung mit besonderen Herausforderungen wie Barrieren, Mobilität und Assistenz sind im Rahmen der geförderten Projekte ausdrücklich erwünscht.

Die Ergebnisse der Modellprojekte sollen anderen Trägern der KJA und JSA zur Verfügung gestellt werden.

Für die Förderung von Anträgen für Modellprojekte und Qualifizierungsangebote stehen im Rahmen der vorliegenden Ausschreibung insgesamt 240.000 € zur Verfügung.

Ergänzend zu den Modellprojekten werden von der Servicestelle, gemeinsam mit weiteren Partnern, regionale und überregionale Fortbildungen angeboten, die auf die speziellen Bedarfe der KJA und JSA ausgerichtet sind. Diese ergeben sich aus der vom Land im Rahmen des Zukunftsplan Jugend in Auftrag gegebenen Expertise und werden auf die besonderen Bedarfe der haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter_innen der Kinder- und Jugendarbeit/Jugendsozialarbeit ausgerichtet sein, um diesen nachhaltige Handlungssicherheit im Themenfeld „Inklusion“ zu geben sowie die Träger der KJA/JSA bei der konzeptionellen Entwicklung von Inklusion zu unterstützen.

Servicestelle ist der Kubus e.V., der gemeinsam mit anderen Partnerorganisationen das Büro der Vielfalt trägt. Der Kubus e.V. hat viele Jahre Erfahrung mit inklusiven Projekten in der Jugendarbeit und über das Büro der Vielfalt mit intersektionellen Themenstellungen.

 

  1. Antragsberechtigte

Antragsberechtigt sind gemeinnützige und auf dem Gebiet der Jugendhilfe aktive Organisationen.

 

  1. Teilnehmer_innen

Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung aus Baden-Württemberg bis 27 Jahre sowie haupt- und ehrenamtlich Engagierte mit und ohne Behinderung.

 

  1. Form, Umfang und Dauer der Förderung

Der Zuschuss beträgt mindestens 500 € und höchstens 10.000 € pro Projekt. Eine Vollfinanzierung ist möglich.

Sach- und Personalkosten, die unmittelbar durch das Projekt entstehen, sind förderfähig.

Ausgenommen sind:

  • Anschaffungen über 410 € zzgl. MwSt
  • Anteilige Kosten für allgemeine Verwaltung einschließlich Miete und Nebenkosten für Büroräume, sowie Personalkosten für allgemeine Verwaltung und Geschäftsführung.

Die Projekte dürfen erst nach der schriftlichen Bewilligung begonnen werden und müssen spätestens zum 31.10.2016 abgeschlossen sein.

 

  1. Verfahren

Anträge müssen bis zum 10.11.2015 online über www.inklumat.de und zusätzlich per Post und mit Originalunterschrift mit den offiziellen Formularen bei der Servicestelle eingereicht werden. Es gilt das Datum des Poststempels.

Über die Anträge entscheidet ein Fachbeirat bis zum 30.11.2015. Frühester Projektstart ist der 01.12.2015, also rechtzeitig zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung am 03.12.2015.

Projektträger  und Servicestelle schließen über die Förderung einen Vertrag ab.

Die Projekte (Verwendungsnachweis) müssen sechs Wochen nach Projektende abgerechnet sein, Projekte die nach dem 16.10.2016 bis zum 31.10.2016 enden, müssen davon abweichend spätestens bis zum 30.11.2016 abgerechnet sein.

Folgende Abrechnungsunterlagen sind dafür notwendig (Formblätter):

  • ein aussagekräftiger Sachbericht
  • ein finanzieller Verwendungsnachweis
  • eine Tabelle mit Auflistung der angefallenen Kosten
  • Kopien der abzurechnenden Belege.

Informationen zum Antrags- und Abrechnungsverfahren sowie alle Formulare und Dokumente stehen unter www.inklumat.de zur Verfügung.

 

  1. Weitere Fördervoraussetzungen

Die geförderten Projekte erteilen die Erlaubnis, in der Projektdatenbank des InkluMat veröffentlicht zu werden.

Eine Teilnahme an Fortbildungen der Servicestelle wird empfohlen.

 

  1. Informationen

Auf www.inklumat.de werden viele Informationen und alle Formulare, Rechtsgrundlagen etc. zur Verfügung gestellt.

Weitergehende Fragen zum Verfahren können Sie (bevorzugt per E-Mail) richten an:

Kubus e.V.
Servicestelle Förderprogramm Inklusion
Reinsburgstr. 82
70178 Stuttgart

Tel: 0711 888 999-11
Mail: marcus.tomek@kubusev.org

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