Vorbemerkung der Autoren

Der vorliegende „Index für die Jugendarbeit zur Inklusion von Kindern und Ju-gendlichen mit Behinderung“ ist im Rahmen eines kooperativen Praxisforschungs-projekts entstanden. Gemeinsam mit dem Kreisjugendring Rems Murr e.V. und dem Kreisjugendring Esslingen e.V. haben wir es uns zum Ziel gesetzt, eine möglichst praxisnahe Arbeitshilfe zur Planung, Gestaltung und Umsetzung von Bemühungen zur Inklusion von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung in der Kinder- und Jugendarbeit zu entwickeln.

Unsere Ideen wurden inspiriert durch die Arbeiten verschiedener internationaler und nationaler Autorinnen und Autoren zur Umsetzung von Inklusion in der Schule (Booth, Ainscow 2000/2002, deutsche Übersetzung durch Boban, Hinz 2003), in Kindertagesstätten (Booth, Ainscow, Kingston 2006) sowie in Kommunen und Verwaltung (McDonald, Olley 2002; Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft 2010/2011). Dabei haben wir versucht, das im Rahmen dieser Arbeiten ent-wickelte Instrumentarium („Index für Inklusion“) für den Bereich der Kinder- und Jugendarbeit zu nutzen. Allerdings stellt der von uns präsentierte „Index für die Jugendarbeit zur Inklusion von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung“ lediglich eine Vorstufe, eine erste Version und vor allem auch nur eine erste Annäherung an den Original-Index der oben genannten Autoren dar, weswegen wir auch von einer „Arbeitsversion“ sprechen. Diese Einschränkungen erklären sich durch zwei Dinge:

Zum einen haben wir uns bewusst für das Thema „Inklusion von Menschen mit Behinderung“ entschieden. Wir sind uns selbstverständlich im Klaren darüber, dass Inklusion in einem sehr viel umfassenderen Sinne zu verstehen ist und es nicht nur um eine bestimmte Personengruppe gehen kann. Allerdings wurde das Projekt inspiriert durch zwei miteinander zusammenhängende Entwicklungen: Einerseits die Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention und andererseits der dadurch von Seiten der Praxis entstandene Bedarf nach Informationen, Handlungsempfehlungen und Instrumenten zu Umsetzungsfragen der Inklusion von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung in der Kinder- und Jugendarbeit. Wir haben uns daher dazu entschieden, zunächst das Thema „Inklusion von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung“ näher zu betrachten und eine erste Arbeitshilfe dazu zu entwickeln, auch um das aktuell bestehende und äußerst große  Interesse im Handlungsfeld der Jugendarbeit konsequent als Motor für eine weitere Auseinandersetzung mit dem Thema Inklusion nutzen zu können.

Wir planen allerdings eine Erweiterung dieser Arbeitshilfe und vor allem weiter-führende Praxisprojekte zu verschiedenen Themen, wie beispielsweise „psychische Erkrankungen“, „sexuelle Orientierungen“ oder „Migration“. Aus diesem Grunde werden wir versuchen, das komplexe Thema „Inklusion in der Kinder- und Jugendarbeit“ schrittweise zu erschließen und nach und nach einen „echten“ Index für Inklusion für die Jugendarbeit zu entwickeln.

Zweitens wollten wir mit dieser Arbeitshilfe ein möglichst praxisnahes und handhabbares Instrument entwickeln, welches Einrichtungen und Organisationen im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit einen schnellen Einstieg in und Überblick über die Thematik ermöglicht. Auch dies ist letztendlich dem großen Interesse nach „schneller Orientierung“ von Seiten unterschiedlicher AkteurInnen im Handlungsfeld der Kinder- und Jugendarbeit geschuldet. Was die Arbeit mit den Leitindikatoren im Original-Index betrifft, haben wir uns daher entschieden, eine „verkürzte“ Version zu entwickeln. Auch hier war es uns wichtig, interessierten AkteurInnen ein praktikables und möglichst schnell zu handhabendes Instrumentarium anbieten zu können, um so zeitnah Strukturen, Praktiken und (Einrichtungs-)Kulturen bei Bedarf bewerten und reflektieren können.

Ausdrücklich entschuldigen möchten wir uns daher an dieser Stelle für einen möglicherweise zu „einseitigen“ Blick auf das Thema Inklusion. Dennoch glauben wir, dass diese Arbeitshilfe ein erster Schritt und ein wichtiger Baustein in einem umfassenderen Prozess der inklusiven Öffnung von Einrichtungen und Organisationen der Kinder- und Jugendarbeit darstellen werden, und wir damit auch weitere Auseinandersetzung anstoßen können.      

 

Stuttgart, 22.10.2014             

Thomas Meyer & Christina Kieslinger