8.4 Inhaltliche Rahmenbedingungen der Programmplanung und -gestaltung

Freiwilligkeit der Teilnahme: Das Angebot sollte auf Freiwilligkeit der TeilnehmerInnen setzen. In manchen Fällen bietet sich hier ggf. auch die Möglichkeit zu Wahlangeboten an (etwa auf Ferienfreizeiten)

Ergebnisoffenheit/Zwanglosigkeit/Statusgleichheit: Der kontaktinitiierende Erfahrungsraum muss offen und zwanglos sein. Wettbewerbsorientierten Angebote sind im Hinblick auf Statusunterschiede zu vermeiden bzw. zu modifizieren. Es bieten sich insbesondere Angebote an, bei denen

  1. das Ergebnis offen ist und dessen Regeln flexibel gestaltet und verändert werden können,
  2. alle Beteiligten neue Erfahrungen machen können (kein Wissensvorsprung einer Gruppe)

Leistungsdruck, Statusunterschiede, wettbewerbsorientierte Spiele und damit in Verbindung stehende vorgegebene Ziele scheinen eher zu einem Beibehalten von Gruppendiskriminierung zu führen. Eine hohe inklusive Wirkung haben vor allem Angebote, die neue Erfahrungen ermöglichen (siehe auch weiter unten).

Vereinfachung/Anpassung der Angebote an Bedürfnisse behinderter Kinder/ Jugendliche: Bei der Gestaltung von Angeboten gilt es, die Gradwanderung von Über- und Unterforderung zu meistern. Angebote sollten so gestaltet sein, dass sie gleichzeitig Aufforderungscharakter haben und aber auch keine Versagensängste/-erfahrungen erzeugen. Hierzu sind insbesondere die Unterstützungsbedarfe von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung auszuloten. Niemand sollte aufgrund körperlicher oder geistiger Defizite im Hinblick auf die Aufgabenschwierigkeit benachteiligt werden. Auch aus diesem Grunde sind Angebote zu bevorzugen, die für alle Beteiligten neue Erfahrungen ermöglichen und bei denen eine Personengruppe keinen Erfahrungsvorsprung hat.

 

Gemeinschaftserleben/zielorientierte gemeinsame Aufgaben: Besonders hervorzuheben ist das Potenzial von Angeboten, die auf das Gemeinschaftserleben setzen. Hier eignen sich insbesondere Aktivitäten, die auf die Zusammenarbeit der ganzen Gruppe setzen (z.B. gemeinsames Kochen, gemeinsames Arbeiten an einem Projekt usw.). Diese sollten allerdings durch geeignete BetreuerInnen angeleitet werden. Weiterhin ist dringend zu empfehlen, Kooperationen im Hinblick auf das Bewältigen gemeinsamer Ziele/Aufgaben anzuregen. Allerdings darf kein Wettbewerb zwischen den TeilnehmerInnen mit und ohne Behinderung entstehen. Von leistungsorientierten Angeboten sollte daher abgesehen werden.

Teilhabe und Mitbestimmung aller Beteiligten muss ermöglicht werden: Aufgrund informeller Lernprozesse gehört die Partizipation von Kindern und Jugendlichen zu einem Kernelement des Arbeitsfelds Kinder- und Jugendarbeit. Aus Gründen der Statusgleichheit, der Bedeutung von Kooperation in den Angeboten und um den Gemeinschaftssinn zu stärken, müssen die Teilhabe- und Mitbestimmungsmöglichkeiten Aller entsprechend gestaltet, ggf. angepasst und reflektiert werden.

Thematisierung von Behinderung (nur bei Gruppen ohne Erfahrung mit behinderten Menschen): Handelt es sich um eine Gruppe nichtbehinderter Kinder und Jugendliche, die keine oder wenig Erfahrungen mit behinderten Kindern und Jugendlichen haben, ist zu empfehlen, das Thema Behinderung in der Gruppenaktivität didaktisch aufzunehmen und in der Aktivität zu verarbeiten. Dies können Sensibilisierungsmaßnahmen und Rollenspiele sein (etwa Rolliparcours, Dunkelaktionen) oder auch konkrete Informationsaktivitäten zur Wissensvermittlung (diese Informationen sollten von den behinderten Kindern und Jugendlichen selbst vermittelt werden). Der Sensibilisierung nichtbehinderter Kinder und Jugendlichen für die Probleme und Schwierigkeiten behinderter Kinder und Jugendlichen kommt im gesamten Verlauf des Angebots eine wichtige Bedeutung zu (siehe auch Punkt 8.5: Beobachtung und Steuerung der Gruppendynamik).