7.2.3 Den Prozess nachhaltig unterstützen und evaluieren (Phase 5)

Für die Schaffung von Nachhaltigkeit sind verschiedene Ressourcen zentral: Zunächst bedarf es an entsprechend geschultem und geeignetem Personal sowie zeitlichen Freiräumen. Weiterhin bzw. parallel muss das Gemeinwesen kontinuierlich sensibilisiert und auf Veränderungsprozesse vorbereitet werden. Dies wird mittels der öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten wie den Inklusionsforen oder Plakataktionen nachhaltig unterstützt. Zudem sollten bestehende Barrieren im Gemeinwesen kontinuierlich abgebaut und eine verantwortliche Ansprechperson vor Ort bestimmt werden, die die Prozesse mitsteuert und koordiniert. Diese sollte sich mit anderen beteiligten AkteurInnen an Runden Tischen zusammenfinden und Belange von Menschen mit Behinderung aufzeigen und diskutieren.

Der Bedarf einer (zentralen) Kontakt-/Koordinierungsstelle bzw. eines/einer AnsprechpartnerIn für Inklusion oder eines/einer Inklusionsbeauftragten wird aus den Ergebnissen der Modellprojekte im Alb-Donau-Kreis sowie im Neckar-Odenwald-Kreis deutlich. Dort forderten auch verschiedene Befragte eine solche Stelle bzw. Person. Diese sollte ggf. auf Landkreisebene agieren und Ansprechpartner für Eltern, Einrichtungen der Behindertenhilfe sowie für verschiedene AkteurInnen der Jugendarbeit sein. Neben beraterischen und informativen Tätigkeiten könnte sie Vermittlungen leisten oder Freizeitmöglichkeiten für Kinder mit Behinderung erschließen. Es ist aber auch möglich, dass der/die Inklusionsbeauftragte Sensibilisierungsprozesse in Gang setzt oder bei Bedarf während der Angebote unterstützend tätig ist.

Das Personal zur Durchführung inklusiver Aktivitäten in den Einrichtungen muss nicht durchweg aus hauptamtlichen MitarbeiterInnen bestehen. Dem Einsatz von ehrenamtlichen Kräften kommt ein bedeutsamer Stellenwert bei der Verwirklichung des inklusiven Vorhabens zu. Dies gilt insbesondere für den Aufbau von Unterstützungsstrukturen (siehe oben: Unterstützerkreise). Wichtig ist allerdings die Kontinuität im Personalstamm, da der Vertrauensaufbau Zeit benötigt und häufige Wechsel negative Auswirkungen auf eine gelingende Inklusion mit sich bringen kann. Weiter sollte der Prozess von Personen begleitet werden, die Kenntnisse in der Betreuung von Menschen mit Behinderung haben. Kooperationen mit der Behindertenhilfe wären für das Gelingen des Prozesses optimal.

Gleich ob es sich um hauptamtliches oder ehrenamtliches Personal handelt, muss zur Aufrechterhaltung der Motivation besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Viele Vorhaben scheitern aufgrund von Motivationsrückgang. Hierzu bietet sich ein kontinuierliches Zuweisen von Aufgaben, Rollen und Zuständigkeiten an. Die Inklusionsforen haben sich hierbei als hilfreich erwiesen. Wertschätzung, Respekt und Anerkennung der Tätigkeiten von haupt- und ehrenamtlichem Personal steigert bzw. hält ebenfalls ihre Motivation aufrecht. Dabei sollten vor allem ehrenamtlich Tätige regelmäßig durch einen/e hauptamtliche MitarbeiterIn in den inklusiven Angeboten begleitet, betreut und angeleitet werden. Ferner kann sich auch eine kontinuierliche Verantwortungssteigerung sinnvoll erweisen.

Letztendlich ist auch die Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung auszubauen. Dabei könnte man erarbeitete inklusive Angebotsideen auf einer städtischen Homepage gebündelt veröffentlichen, um öffentlichkeitswirksam zu agieren, wie es auch im Alb-Donau-Kreis geplant ist. Während der zweijährigen Projektphase wurde dort ein Freizeitwegweiser mit Adressen verschiedener Freizeiteinrichtungen erarbeitet der zeitnah auf der städtischen Homepage veröffentlicht wird. Neben diesen Adressen beinhaltet der Freizeitwegweiser zudem eine Übersicht zur Vorgehensweise z.B. im Hinblick auf die persönlichen Interessenabfrage, Recherche von ortsnahen Freizeitangeboten und den Zugang zu den Vereinen. Abgesehen von diesen Aspekten sollte ein Netzwerk mit externen disziplinübergreifenden AkteurInnen gebildet werden. Hierzu zählen u.a. Schulen und AkteurInnen aus kirchlichen Einrichtungen, (kommunal)politische EntscheidungsträgerInnen und Eltern von Kindern mit und ohne Behinderung.

Was die Evaluation des Prozesses und Wirkungen der Angebote betrifft, so gibt es dazu bislang wenig Erkenntnisse. Eine systematische Evaluation steht in den Modellstandorten zurzeit noch aus. Die Evaluation sollte auf alle Fälle stets im Team und unmittelbar nach (größeren) inklusiven Aktivtäten erfolgen. Auch Ehrenamtliche sind nach Möglichkeit einzubeziehen. Methodisch eigenen sich Beobachtungen (z.B. zur Interaktionshäufigkeit zwischen behinderten und nicht-behinderten TeilnehmerInnen) sowie Befragungen (z.B. Gruppenbefragungen oder kürzere qualitative Interviews). Was eine Gesamtevaluation betrifft (etwa auf Einrichtungs- oder Trägerebene) so sollten hierzu auf alle Fälle die Leitindikatoren des Indexes als auch die Prozessindikatoren verwendet werden.

Zusammenfassung: Zur Sicherstellung der Nachhaltigkeit bedarf es an geeignetem Personal und zeitlichen Freiräumen, öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten sowie einem kontinuierlichem Barrierenabbau im Gemeinwesen. Zusätzlich benötigt es eine zentrale verantwortliche Ansprechperson, den Einsatz von ehrenamtlichen Kräften, die Kooperation und Vernetzung mit verschiedenen ortsansässigen AkteurInnen und Einrichtungen der Behindertenhilfe, Strategien zur Aufrechterhaltung der Motivation und schließlich eine kontinuierliche Evaluation des Prozesses und der Wirkungen der Angebote.