5.2 Inklusive Strukturen etablieren: Barrierefreiheit und Gestaltung/Anpassung von Angeboten in Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit

Unter die Dimension „inklusive Strukturen“ fallen vor allem die Stichworte Barrierefreiheit und Angebotsplanung. Um inklusive Strukturen zu entwickeln, müssen also nicht nur Zugangsbarrieren abgebaut werden, sondern auch (bestehende) Angebote reflektiert und ggf. modifiziert werden.

  1. Barrierefreiheit
    Unter Barrierefreiheit sind nicht nur räumliche Bedingungen zu fassen, sondern auch sprachliche Barrieren (Blindenschrift, einfache Sprache, Gebärdensprache). Daneben gibt es aber auch institutionelle bzw. soziale Barrieren, etwa spezielle Zugangsvoraussetzungen oder Vorurteile und Diskriminierung. Insbesondere in Bezug auf die Gestaltung von Angeboten sind die Zugangsvoraussetzungen und sozialen Reaktionen zu prüfen. Zuletzt sind auch die Beteiligungsmöglichkeiten zu reflektieren. Die Partizipation der behinderten sowie nichtbehinderten BesucherInnen und Ehrenamtlichen muss stets ermöglicht werden.

    Neben diesen Aspekten ist es aber für diesen Baustein auch wichtig, die MitarbeiterInnen und ggf. Ehrenamtliche zu schulen, in diesem Fall über den Umgang mit Barrierefreiheit. Da die Angebote der Kinder- und Jugendarbeit oftmals mit Hilfe von ehrenamtlichem Personal durchgeführt werden, sind auch diese in Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen einzubeziehen. Barrieren aller Art müssen identifiziert und beseitigt werden. Sinnvoll könnte es auch hier wieder sein, Kooperationsprojekte mit Einrichtungen der Behindertenhilfe zu installieren (etwa im Hinblick auf sprachliche Barrierefreiheit).

  2. Angebotsplanung
    Neben der Barrierefreiheit kommt inhaltlichen Rahmenbedingungen von Angeboten der Kinder- und Jugendarbeit eine wichtige Bedeutung zu. Inklusive Strukturen beziehen sich dabei auch auf die Bereitschaft, alle Angebote und Aktivitäten „inklusiv“ zu planen und zu gestalten. Daher müssen Angebote präferiert werden, die geeignet sind, der gegebenen Heterogenität aller TeilnehmerInnen und die Partizipation aller zu ermöglichen. Eine wichtige Voraussetzung hierfür ist das Erkennen und der Einbezug von besonderen Unterstützungsbedarfen in die Planung von Angeboten. Zudem muss die Erreichbarkeit der Angebote gesichert werden.

    Insgesamt sind inklusive Strukturen eine wichtige Voraussetzung für Kontaktsituationen und damit auch für das Etablieren inklusiver Kulturen. Die entsprechenden Überlegungen zur Umsetzung „inklusiver Strukturen“ in Organisationen und Einrichtungen der offenen Jugendarbeit gehen daher Hand in Hand mit der Etablierung einer inklusiven Kultur. Alles in allem umfassen die Überlegungen zur Dimension „inklusive Strukturen“ Aktivitäten wie:

    1. Identifizierung und Beseitigung räumlicher Barrieren (ggf. barrierefreier Umbau unter Einbezug der Besucherschaft, Projekte, Erkundungen usw.)
    2. Identifizierung und Beseitigung sprachlicher Barrieren (Flyer/Informationen in einfacher Sprache, bildhafte Darstellungen, ggf. ein Wegweiser für Angebote für Menschen mit Behinderung, Elternarbeit, Blindenschrift, Gebärdensprachendolmetscher usw.)
    3. Identifizierung und Beseitigung von sozialen Barrieren (Vermeidung von Diskriminierung, Abbau von bestimmten Teilnahmevoraussetzungen, Öffnung bestehender Angebote)
    4. Identifizierung und Beseitigung von inhaltlichen Barrieren (Reflexion des Leistungsanspruchs bestehender Angebote, ggf. Abänderung von Regeln und Teilnahmevoraussetzungen, Akzeptanz von Heterogenität).
    5. Schulung von MitarbeiterInnen und Ehrenamtlichen zur Identifizierung von Barrieren
    6.  Erreichbarkeit der Angebote (Mobilitätshilfen, Kooperationen, Sozialraumerkundungen)