4.1 Inklusive Kulturen schaffen: inklusives Denken ermöglichen durch Wertschätzung von Vielfalt und Sensibilisierung aller Beteiligten

Die wahrscheinlich wichtigste Ebene des Index für Inklusion bezieht sich explizit auf die (einrichtungsinterne) Kultur bzw. auf das Leitbild einer Organisation. Gemäß dem Leitspruch „Inklusion fängt in den Köpfen an“ geht es bei der Umsetzung „inklusiver Kulturen“ vor allem um die Notwendigkeit, inklusives Denken in den Köpfen aller Beteiligten zu verankern. Das wesentliche Lernziel inklusiver Maßnahmen ist es daher, Vielfalt und Pluralität menschlichen Lebens als Normalität und Chance zu begreifen. Hintergrund dieser pädagogischen Zielvorstellungen ist die Erkenntnis, dass Inklusion letztendlich erst gelingt, wenn alle Beteiligten eine Haltung der Wertschätzung und Akzeptanz gegenüber unterschiedlichen Personengruppen entwickelt haben. Inklusives Zusammenleben erfordert also eine bestimmte Haltung, die mittels inklusiver Pädagogik erreicht werden soll. Dazu gehört der Abbau von Vorurteilen und Berührungsängsten, das Vermeiden von Diskriminierungen, das Hineinversetzen in die Lebenssituation verschiedener Menschen, aber auch die Wertschätzung gegenüber dem Andersartigen. Eine besondere Herausforderung stellt dies bei Einrichtungen oder Organisationen dar, die auf Homogenität oder (Individual-) Leistung setzen (etwa im Arbeitsleben oder bei leistungsorientierten Vereinen und Verbänden).

Durch ein Bewusstsein für die Selbstverständlichkeit von Vielfalt soll es gelingen, Diskriminierung zu vermeiden. Hierfür können Aktivitäten oder Maßnahmen konzipiert werden, die auf die Sensibilisierung aller Beteiligten abzielen, d.h. Leitungskräfte, MitarbeiterInnen, Ehrenamtliche, NutzerInnen eines Angebots usw. sollen sich in die Lebenssituation und in die Belange unterschiedlicher Personengruppen „hinein fühlen“ und ggf. ihren Unterstützungsbedarf erkennen. Zuletzt geht es auch darum, Berührungsängste abzubauen. In Bezug auf die Inklusion von Menschen mit Behinderung eigenen sich beispielsweise:

  • Informationsveranstaltungen und -kampagnen (Wissensvermittlung über Behinde- rung, öffentliche Präsenz, Events, Speaking Tours, beispielsweise in Schulen usw.)
  • Direkter Kontakt (Kontakthypothese, Lernerfahrungen, gemeinsame Veranstaltungen)
  • Sensibilisierungsstrategien (Rollenspiele, Simulationen)
  • Direkte Fort- und Weiterbildung der MitarbeiterInnen oder Ehrenamtlichen