3.3 Inklusion erfordert eine Unterstützung am jeweiligen Wohn-, Arbeits- und Lebensort

Doch wie sieht dann die Unterstützung im Inklusionsparadigma aus, zumal Menschen mit Behinderung nach wie vor Unterstützung benötigen? Dazu muss betont werden, dass Inklusion keinesfalls bedeutet, ohne Unterstützung leben zu müssen.

Auch hier wird die Perspektive gewechselt: Wurden Menschen mit Behinderung bislang in Sondereinrichtungen betreut bzw. unterstützt, so soll diese Begleitung und Unterstützung fortan dort erfolgen, wo diese Menschen leben, arbeiten oder ihre Freizeit verbringen. Demnach kommt dem Aufbau ambulanter Unterstützungsstrukturen eine zentrale Bedeutung zu. Die folgende Abbildung verdeutlicht diesen Perspektivenwechsel:

Abbildung 1: Unterstützung im Integrations- und Inklusionsparadigma

Was passiert aber in einem Gemeinwesen, wenn Menschen mit Behinderung in Zukunft verstärkt gemeindeintergiert wohnen, sich in Vereinen engagieren möchten und dort auf Vorurteile und Berührungsängste in der Bevölkerung stoßen? Auch darauf hat das Inklusionsparadigma eine Antwort: Werden Ausgrenzungsprozesse von vorneherein vermieden, werden sich die Gesellschaftsmitglieder auch daran gewöhnen, mit den unterschiedlichsten Personengruppen zusammen zu leben, zusammen zu arbeiten, zusammen Freizeit zu verbringen usw.. Dadurch werden soziale Lernprozesse in Gang kommen, die es ermöglichen, eine zukünftige Ausgrenzung von Vorneherein zu vermeiden.

So einfach diese Idee auch klingen mag, in der Realität ergeben sich doch vielfältige Herausforderungen. Was mag es einem Menschen mit Behinderung nutzen, wenn er in einem Stadtteil gemeindeintegriert wohnt, und sich dort dennoch allein und isoliert fühlt? Was, wenn sich die erhofften Lernprozesse eben nicht von selbst einstellen? Auf (kommunal-) politischer Ebene müssen daher entsprechende Weichen gestellt werden, um die betroffenen Menschen zu inkludieren. ArbeitgeberInnen müssen möglicherweise ihre Betriebe für die Belange von Menschen mit Behinderung sensibilisieren, Freizeiteinrichtungen und Vereine müssen Wege finden, damit Menschen mit Behinderung ebenfalls an dem Angebot teilnehmen können usw.. Diese Herausforderungen sind wiederum ein wichtiges Element in der gesamten Diskussion.