Disability Mainstream

Der Begriff „Disability Mainstream“ ist ein relativ junger Begriff und innerhalb der deutschen Diskussion kaum gebräuchlich. Aus diesem Grund gibt es auch bis heute keine Übersetzung von „Disability Mainstream“ins Deutsche. Jedoch kann der Begriff mit der Zielvorgabe und dem Vorgehen erläutert werden, bei dem die Belange von Menschen mit Behinderung von einer marginalisierten gesellschaftlichen Sichtweise in eine allgemeine gesellschaftliche Angelegenheit überführt werden. Dies kann erreicht werden, indem eine Sichtweise der „Behinderung“ in sämtliche gesellschaftliche Bereiche (Politik, Wissenschaft etc.) verankert wird.

Disability Mainstream lehnt sich eng an den Begriff „Gender Mainstream“ an, da sowohl Frauen als auch Menschen mit Behinderungen – trotz ihrer Unterschiedlichkeiten – bestimmte Erfahrungen der Exklusion sowie der Diskriminierung innerhalb der Gesellschaft machen. Erfahrungen aus dem „Gender Mainstream“ haben dabei gezeigt, dass es wichtig ist, Unterschiede der einzelnen Personen in den Blick zu nehmen. So gibt es beispielsweise große Unterschiede zwischen Menschen mit Behinderungen aufgrund der Art und schwere der Behinderung. Als weiterere Unterschiede können beispielsweise das Einkommen sein, welches das Leben von Menschen mit Behinderung stark prägt. Des weiteren ergeben sich unterschiede aufgrund von Familienverhältnissen, Sexualität, Religion oder Migrationshinter-grund. All diese Unterschiede spielen eine Rolle, wie und ob ein Mensch mit Behinderung innerhalb der Gesellschaft wahrgenommen wird. So kann dies im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit bedeuten, dass eine Berücksichtigung der Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen schon von Beginn an erfolgt. Zum einen durch die Einbeziehung von Menschen mit Behinderung bei der Planung von Angeboten, Veranstaltungen etc. aber auch zum anderen, durch die Anerkennung, dass zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen unterstützende Maßnahmen beispielsweise durch geschultes Personal oder bauliche Veränderungen.

Die Aufgabe von Disability Mainstream ist es daher, Anliegen und Bedürfnisse der „benachteiligten Personengruppe“ in allen gesellschaftlichen Handlungsebenen (Politik, Wirtschaft, Wissenschaft etc.) mitzudenken und dementsprechende Forderungen umzusetzen.

Rechtlich ist Disability Mainstream innerhalb der Präambel sowie des Artikels 4c der UN-Konvention zur Förderung und zum Schutz der Rechte und Würde von Menschen mit Behinderung verankert. So wird innerhalb dieses Artikels deutlich, dass Menschen mit Behinderungen gleichzustellen sind und nicht mehr länger Objekte von Fürsorge darstellen.

Für den Erfolg von Disability Management gibt es verschiedene Vorbedingungen. Diese können wie folgt definiert werden:

  • Analyse der derzeitigen Situation:
    Diese muss innerhalb der entsprechen-den gesellschaftlichen Bereiche erfolgen m somit die Auswirkungen der bisherigen Maßnahmen im Behindertenbereich zu ermitteln und ggf.gegensteuern zu können.
  • Finanzielle Unterstützung:
    Ministerien, Behörden etc. müssen in der Lage sein, entsprechende Auswirkungen von Projeten etc. zu analysieren. Zudem müssen Kompetenzzentren eröffnet und Schulungen durchgeführt werden, die bei der Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen behilflich sind.
  • Perspektivenwechsel:
    Menschen ohne Behinderungen müssen bereit sein, sich auf die Perspektive von Menschen mit Behinderungen einzulassen. Somit können Entscheidungsprozesse möglicherweise länger dauern oder komplizierter werden jedoch hat diese die Vorteile, dass häufig kostspielige Korrekturen vermeidet werden können und eine Formulierung positiver Ziele anstatt negativer Fehlentscheidungen erfolgen kann.

Es gibt somit viele Faktoren, die über den Erfolg von Disability Mainstream entscheiden. Dieser komplexe Prozess führt jedoch dann zum  Ziel, wenn diese Faktoren zusammenkommen und die beteiligten Akteure sich langfristig mit einbringen ohne sich von möglichen Rückschritten abschrecken zu lassen.

Quellen: 
Gender Glossar (Hrsg.) (2013): Disability Mainstream. Online im Internet: http://www.gender-glossar.de/de/glossar/item/1-disability-mainstreaming. Zugriff: 2013-11-04.
Institut Mensch, Ethik und Wissenschaft (Hrsg.) (2007): „Disability Mainstreaming“ als Gesellschaftskonzept. Online im Internet: http://www.imew.de/index.php?id=317. Zugriff: 2013-11-04.