Community Care

Community Care kann mit dem Begriff „Gemeinweseneinbindung“ übersetzt und gleichgestellt werden. Es zielt auf die Ermöglichung einer größtmöglichen Teilhabe und Teilhabequalität im Gemeinwesen für Menschen mit Behinderung, was nicht nur eine Investition in die Schaffung neuer Wohnformen bedeutet, sondern den Aufbau von sozialen Netzwerken und Kontakten im Gemeinwesen gleichermaßen mit einschließt. Als sozialraumorientiertes Steuerungsmodell für Verwaltungen auf lokaler Ebene stellt Community Care einen Rahmen dar, in dem soziale Dienstleistungen flexibel auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen angeboten werden.

Das Konzept „Community Care“ für gemeinwesenintegrierte Unterstützung hat seinen Ursprung im 20. Jahrhundert in Schweden und Großbritannien. Es stützt sich auf der Grundannahme, dass eine Teilhabe von Menschen mit Unterstützungsbedarf im gesellschaftlichen Leben mehr darstellt, als die Unterbringung in betreuten Einrichtungen bzw. Wohnungen innerhalb des Gemeinwesens. Für das Community Care sind daher Begriffe wie Empowerment, Teilhabe, Personenzentrierung und Inklusion wichtige Bausteine im Umgang mit Menschen mit Behinderung.

Inhaltlich kann Community Care als ein Steuerungsmodell für lokale Verwaltungen verstanden werden, in denen verschiedenartige soziale Dienstleistungen flexibel und auf die Bedürfnisse von Menschen mit Unterstützungsbedarf angeboten werden. Hierzu müssen Lösungswege gefunden werden, wie die derzeitigen AnbieterInnen-dominierten Strukturen im Dienstleistungssektor (beispielseise in der Behindertenhilfe etc.) abgeschafft werden können, um NutzerInnen-dominierte Alternativen einzusetzen, mit dem Ziel, Menschen mit Behinderung ein selbstbestimmtes Leben innerhalb des Gemeinwesens zu ermöglichen.

Community Care wird nach der britischen Selbsthilfeorganisation für Menschen mit geistiger Behinderung und ihren Angehörigen (Mencap) anhand sechs verschiedener Grundprinzipien definiert und identifiziert (Mencap in Aselmeier, 2003, S. 22):

  • Entwicklung von wohnbezogenen Diensten sowie Angeboten zur Tagesstrukturierung und Kurzzeitunterbringung, um den betroffenen Menschen ein Leben in ihren eigenen Wohnungen zu ermöglichen
  • Große Priorität für die Bedürfnisse betreuender und pflegender Angehöriger
  • Individuelles Assessment zur Erkundung von Hilfebedarfen und -wünschen sowie ein daran anknüpfendes Case Management
  • Entwicklung eines starken unabhängigen AnbieterInnen-Sektors flankiert von hoch qualifizierten öffentlichen Diensten
  • Rollenerklärung der verschiedenen AkteurInnen im Feld und Entwicklung ihrer Verantwortlichkeiten
  • Schaffung eines Finanzierungssystems für Community Care

Ein wichtiges Kriterium für das Community Care Konzept ist, dass der entsprechende Zugang zu den Hilfen nicht an die Zugehörigkeit einer Personengruppe geknüpft ist. Alle  Personen, die eine Unterstützung benötigen, haben einen Anspruch auf die entsprechenden Hilfen, gleich ob es sich um SeniorInnen, Menschen mit körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderungen, HIV-PatientInnen, Wohnungslose etc. handelt. 

Quellen: 
Aselmeier, Laurenz (2003): Supported Living. Offenen Hilfen für Menschen mit geistiger Behinderung in Großbritannien. Siegen: Zentrum für Planung und Evaluation Sozialer Dienste der Universität Siegen.
Schablon, Kai Uwe (2009): Community Care: Professionell unterstützte Gemeinsweseneinbindung erwachsener geistig behinderter Menschen. Analyse, Definition und theoretische Verortung struktureller und handlungsbezogener Determinanten. Marburg: Lebenshilfe Verlag.
Theunissen, Georg (2009): Empowerment und Inklusion behinderter Menschen. Eine Einführung in Heilpädagogik und Soziale Arbeit. 2., aktualisierte Auflage. Freiburg im Breisgau: Lambertus Verlag.